Jeder braucht Urlaub. Ohne Phasen der Erholung kommt es irgendwann zu Überlastung, Erschöpfung und Störungen. Fasten ist Urlaub für den Darm. Darum sollten wir uns regelmäßig eine Fasten-Auszeit gönnen.
Über kaum ein anderes Organ wird derzeit so viel geforscht und geschrieben wie über den Darm, das Mikrobiom und seine Bedeutung für unsere Gesundheit. Wir wollen einmal kurz die erstaunlichsten Fakten zusammentragen:
• Der Darm ist 5 bis 7 Meter lang und mit Schleimhaut ausgekleidet. Diese ist vielfach in Falten gelegt und bildet Zotten. Das führt zu einer extrem großen Oberfläche von etwa 300 bis 400 Quadratmetern auf relativ kleinem Raum. Diese Fläche stellt gleichzeitig die größte Kontaktfläche mit der Umwelt dar. Schließlich ist Nahrung zunächst nichts anderes als von außen zugeführte, für den Körper fremde Substanz.
• Im Laufe von 75 Jahren verarbeitet der Darm etwa 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeiten. Seine Hauptaufgabe: Nährstoffe erkennen und verwerten, Schadstoffe und Erreger erkennen und ausscheiden.
• Der größte Teil der menschlichen Immunzellen ist im Darm beherbergt. Experten sprechen von 70 bis 80 Prozent. Damit ist Fakt: Der Darm ist eines unser wichtigsten Abwehrzentren, wenn nicht das wichtigste überhaupt.
• Hier kommt das Mikrobiom ins Spiel – die Gesamtheit der individuellen Darmbakterien. Sie sind bedeutende Helfer des Immunsystems. Ihre Zahl ist immens und liegt bei schätzungsweise 100 Billionen. Zusammengenommen wiegen diese Bakterien bis zu 2 kg. Bislang wurden 1000 bis 2000 verschiedene Arten gefunden. Die Zusammensetzung ist bei jedem Menschen einzigartig, aber auch veränderbar.
Der Darm: Sitz des Immunsystems
Aus dieser kurzen Übersicht wird klar: Der Darm und sein Wohlbefinden sind extrem wichtig für jeden Einzelnen. Also verdient er Fürsorge und Pflege. Fasten ist eine Auszeit für den Darm, die wir ihm regelmäßig gönnen sollten. Im Alltag kommt die Darmschleimhaut permanent mit allen möglichen Stoffen aus der Nahrung in Kontakt. Je öfter wir essen und je weniger Pausen wir einlegen, desto weniger Zeit bleibt für Reparaturen des hochkomplexen Systems. Anders wenn wir fasten, denn dann nehmen wir kaum Nahrung auf. Und das wenige, was wir essen, verlangt kaum Arbeit vom Darm, so dass er sich bestens erholen und regenerieren kann. Jetzt ist er nicht mehr auf „Aufnehmen“ programmiert wie im Alltag, sondern auf „Abgeben“. Und das ist enorm wichtig. Die Darmwandzellen können sich endlich von Altlasten befreien, die sie nicht loswerden, solange ständiger Nahrungsnachschub kommt. Gerade der Dickdarm neigt zu Ablagerungen. Und die sind nicht nur der perfekte Nährboden für Fäulniskeime, sie blockieren außerdem die Versorgung der Darmwandzellen mit wichtigen Stoffen, die von der Darmflora produziert werden. Ist diese Versorgung nicht gewährleistet, wird der Darm auf Dauer schwach und träge. Am Ende ist seine Barrierefunktion nachhaltig gestört. Dann spricht man vom „Leaky Gut“, dem löchrigen Darm. Eine Art Burnout, der durch „Urlaubsmangel“, also permanente Überlastung entsteht. Nun gelangen Schad- und Entzündungsstoffe ungehindert in den Körper und richten überall in den Zellen Schäden an. Diese Stoffe bilden kleine schwelende Herde im ganzen Körper. Die so genannten stillen Entzündungen begünstigen verschiedenste Erkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes, Autoimmunerkrankungen.
Esspausen: Nur ohne Nahrung kann der Darm regenerieren
Hier kommt das Fasten ins Spiel. Denn jede Pause bei der Nahrungsaufnahme hilft dem Darm, sich zu stabilisieren. Ob Sie durch Intervallfasten die nächtliche Nahrungskarenz verlängern, wöchentlich einen Fastentag einlegen oder regelmäßig längere Fastenintervalle durchführen – von jeder dieser Maßnahmen profitiert Ihr Darm. Das primäre Ziel ist die so genannten Autophagie. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet etwa so viel wie „Selbstverdauung“. Diesen Prozess können wir durch Fasten in Gang setzen. Er beginnt nach etwa 12 Stunden ohne Nahrung. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit jeder einzelnen Zelle, schädliche Bestandteile zu entsorgen und beschädigte zu recyceln. Die zelleigene Müllabfuhr wird aktiv, überprüft, was nicht mehr gebraucht wird, was beschädigt oder altersschwach ist. Diese Zellbestandteile werden in eine Art Müllsack gesteckt, das Autophagosom und von Müll-Enzymen, den Lysosomen aufgespalten. Anschließend werden neue, tadellose Zellbestandteile daraus hergestellt. Großes Reinemachen in der Zelle also. Von diesem Vorgang profitiert nicht nur das Immunsystem, auch der Darm wird gestärkt und entlastet, kann sich erholen. Nur 12 Stunden ohne Nahrung sind bereits eine Art Kurzurlaub für den Darm. Das schafft man bereits locker durch ein frühes Abendessen und ein spätes Frühstück am Folgetag. Eine Art Mini-Intervallfasten.
Suppenfasten: Schonend und heilend für den Darm
Je regelmäßiger wir fasten, desto widerstandsfähiger machen wir unseren Darm gegenüber dem drohenden Burnout. In unserem Fastenzentrum im Schwarzwald haben wir die besten Erfahrungen mit schonendem Suppenfasten über einen Zeitraum von 7 Tagen gemacht. Dabei gibt es dreimal täglich leicht verdauliche, beruhigende, basische Gemüsesuppen. Auch etwas Getreide und Früchte sind denkbar. Dabei kommt der Darm endlich zur Ruhe und kann an seinen Schwachstellen arbeiten. Die Schleimhäute können sich regenerieren, die Darmwand wird wieder stabiler, Entzündungen heilen aus. Gleichzeitig wird die Darmflora gestärkt – sie wird variabler und vielfältiger, beides ist vorteilhaft für Immunsystem und Darmgesundheit.
Ballaststoffe: Wichtiges Futter für die Darmflora
Die basischen Gemüsesuppen versorgen das Mikrobiom mit reichlich Ballaststoffen oder „Präbiotika“. Diese wiederum dienen den erwünschten Darmbakterien als Futter und tragen so zu deren Vermehrung bei. Dazu zählen etwa Bakterien der Bifidus- und Bacteroides-Stämme, die aus den Präbiotika durch Fermentation kurzkettige Fettsäuren herstellen. So sinkt der pH-Wert im Darm und macht es dort „ungemütlich“ für Krankheitserreger wie Clostridien. Sollten einmal weniger Ballaststoffreiche Suppen verzehrt werden, empfiehlt sich der zusätzliche Verzehr von Multiballaststoff-Präparaten.
Die zweite wichtige Stoffgruppe für den Darm sind die „Probiotika“. Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die lebende Mikroorganismen enthalten und ebenso dazu beitragen, die Darmflora zu stabilisieren und für mehr Vielfalt zu sorgen. Sie stecken zahlreich in milchsauer vergorenem Gemüse wie Sauerkraut, bestimmten Gemüsesäften und Kimchi. Außerdem in fermentierten Milchprodukten wie Joghurt, Kefir oder Sauermilchkäse. Wer beim Fasten seinem Darm davon eine Extraportion gönnen möchte, kann zu einem Darmflora-Präparat greifen, das verschiedene Bakterienstämme in hochdosierter Form enthält (z. B. Darmflora plus select intens von Dr. Wolz).
Fasten: Optimale Versorgung mit Vitalstoffen
Die abwechslungsreichen basischen Gemüsesuppen sind reich an allen wichtigen Vitalstoffen und sorgen dafür, dass der Körper beim Fasten alles bekommt, was er benötigt. Zusätzlich verbessert sich durch das Fasten die Fähigkeit der Darmschleimhaut, wertvolle Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen. So wird gleichzeitig die Versorgung verbessert und ein potenzieller Mangel behoben. Während des Fastens kommt es zur spürbaren Entsäuerung des Körpers. Dabei werden Säuren frei, die gepuffert und ausgeschieden werden müssen. Dafür benötigen wir basische Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium. Die stecken reichlich in den Zutaten für die Gemüsesuppen. Vor allem die Kartoffel ist ein hervorragender Kaliumspender und sollte großzügig eingesetzt werden.
Die Darmflora ist übrigens auch dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen. Aktuelle Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des individuellen Mikrobioms und der psychischen Stabilität. Mehr gute Darmbakterien könnten sogar die Stressresistenz verbessern und für mehr Gelassenheit sorgen – möglicherweise ein Grund für das oft beschriebene Fastenhoch. Also: Wann wollen Sie Ihren Darm in Urlaub schicken?
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