Studien zufolge erleiden Kinder durchschnittlich sechs bis acht Infektionen mit einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von sieben bis zehn Tagen oder mehr pro Jahr! Viele Eltern möchten ihren Kindern keine handelsüblichen Immunpräparate geben, weil sie bezweifeln, dass diese in erster Linie für Erwachsene konzipierten Produkte die speziellen Bedürfnisse des kindlichen Organismus gerecht werden. Tatsächlich liegt der Grund für die Häufigkeit rezidivierender Infekte in der immunologischen Unreife des Kindes – in Kombination mit der Ansteckungsgefahr durch häufigen Kontakt mit anderen Kindern in Schule und Kindergarten. Oft liegt die Ursache einer kindlichen Immunschwäche in Defekten der natürlichen Abwehrbarrieren. Eine der wichtigsten ist die Darmflora, die gerade bei Kindern mit häufiger Antibiotikaeinnahme oft gestört ist.
Probiotika schon für Babys und Kleinkinder sinnvoll
Eine Stärkung des darmbasierten Immunsystems erreicht man am besten mit speziellen Probiotika. Dabei können Milchsäurebakterien bereits im frühen Kleinkindalter und sogar für Babys sinnvoll sein – besonders dann, wenn die Kinder nicht gestillt werden bzw. wurden und/oder durch Kaiserschnitt zur Welt kamen. Denn die Darmflora von Kleinkindern ist oft (noch) nicht besonders ausdifferenziert und instabil. Hintergrund sind u.a. vermehrte Kaiserschnittgeburten, fehlendes Stillen, übertriebene Hygiene, vermehrte Antibiotikagabe und falsche Ernährung (viel Zucker, viele Weißmehlprodukte, ungesunde Fette, zu wenige Ballaststoffe, zu wenig Obst und Gemüse). Häufige Folgen sind eine höhere Anfälligkeit und Risiko für Allergien. Viele Studien zeigen, dass Probiotika einen stabilisierenden Effekt auf die Darmflora ausüben können. Besonders spezielle Stämme des Lactobacillus acidophilus, des Bifidobacterium longum und des Bifidobacterium lactis haben in Studien positive Effekte bei Kleinkindern gezeigt. Sie sollten in einer hohen Konzentration von drei bis sechs Milliarden pro Tagesdosis vorliegen. Auch Schwangere profitieren davon. Studien zeigen auch, dass die Kinder später ein geringeres Risiko für Allergien und atopische Dermatitis haben, wenn die Schwangere Probiotika eingenommen hat.
Ballaststoffe für Babys und Kleinkinder
Aber wie verhält es sich mit den Ballaststoffen? Der bewährte Klassiker unter den natürlichen Ballaststoffen in Nahrungsergänzungen ist das Inulin aus der Zichorie. Es ist in moderaten Mengen auch für Kinder gut verträglich. Anders verhält es sich bei Babys, hier könnte Inulin zu Blähungen führen. Normalerweise erhalten Babys ihre Ballaststoffe über die in der Muttermilch enthaltenen Humanen Milch Oligosaccharide (HMO), zu denen die Galacto-Oligosaccharide (GOS) gehören. Problematisch wird es also dann, wenn Babys nur kurz oder gar nicht gestillt wurden. Für diese Babys als auch für Schwangere sind seit neuestem spezielle Präparate mit muttermilchähnlichen GOS erhältlich. Diese Ballaststoffe bestehen aus Mehrfachzucker und wirken positiv auf die Darmflora, weil sie unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort von den Darmbakterien als Futter verwendet werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bei nicht gestillten Säuglingen eine gesunde, durch Bifidobakterien und Lactobazillen bestimmte Darmflora bildet, wenn die Babys eine Säuglingsnahrung mit GOS erhielten. Die GOS sind den Milch-Oligosacchariden, die in der Muttermilch vorkommen, ähnlicher als die pflanzlichen Fructo-Oligosaccharide (FOS), die in der Muttermilch nicht vorkommen.
Eine spezielle Komponente der HMO ist die sogenannte 2’-Fucosyllactose (2’Fl). Sie eignet sich besonders für Kleinkinder. Denn diese komplexen Kohlenhydrate kommen natürlicherweise in der Muttermilch vor. HMO sind der Hauptunterscheidungsfaktor zwischen Muttermilch und Kuhmilch. Für die Mehrheit der Mütter ist die 2‘FL die am häufigsten vorkommende HMO in ihrer Muttermilch, die im Vergleich zu Kuhmilch und anderer Säuglingsnahrung immer noch das Beste für die Ernährung von Säuglingen ist. Sie ist das bisher am gründlichsten erforschte HMO und besonders für Kinder geeignet, die nicht gestillt wurden. HMO fungieren nicht nur als natürliche Prebiotika, sondern auch als ‚Köder’ für Pathogene. Denn sie verhindern die Anhaftung pathogener Mikroorganismen an die Darmschleimhaut.
Natürlicher Immunmodulator Beta-Glucan
Neben den Pro- und Prebiotika ist auch das aus Hefe stammende Beta-Glucan für Kinder zu empfehlen, da es bei der Stärkung des darmbasierten Immunsystems ansetzt. Die Immunzellen im Darm verfügen über einen spezifischen Rezeptor, an denen die Glucane andocken und die Immunzellen aktivieren, so dass sie schnell und effizient gegen Krankheitskeime reagieren können. Viele Studien konnten schon positive Effekte auf das kindliche Immunsystem zeigen, insbesondere auch bei Allergien. Leider enthalten viele Beta-Glucan-Präparate speziell für Kinder künstliche Geschmacksstoffe oder Zucker. Deshalb sollte bei der Wahl des entsprechenden Präparats lieber auf natürliche, geschmacksneutrale Produkte zurückgegriffen werden.
Colostrum: Wirksam gegen Krankheitskeime
Eine weitere für Kinder gut geeignete Substanz ist Colostrum, die ‚Erstmilch‘ für Säugetiere, die von den Milchdrüsen der Mutter produziert wird, um das Neugeborene optimal zu ernähren. Nach drei bis fünf Tagen verändert sich das Colostrum in normale Milch. Colostrum wurde lange unterschätzt. Wie neueste Untersuchungen zeigen, besteht Colostrum aus einer einzigartigen Zusammensetzung aus einer Vielzahl an bioaktiven Substanzen und Antikörpern, den so genannten Immunglobulinen. Diese Immunstoffe enthält die Colostralmilch der Kuh in 40-fach höherer Konzentration als das menschliche Colostrum. Colostrum beinhaltet also eine Vielzahl an wertvollen Bestandteilen, deren Zusammensetzung kein künstlich erzeugtes Produkt aufweisen könnte. Colostrum eignet sich daher zur unterstützenden Behandlung und Prophylaxe gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Immunschwäche und Allergien. Besonders hervorzuheben ist Studien zufolge die positive Wirkung des Colostrums bei der adjuvanten Behandlung schwerer Durchfallerkrankungen wie EHEC.













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